Soforttyp-Allergien

Die Allergie vom Soforttyp wird so genannt, weil die allergische Reaktionen innerhalb kürzester Zeit^(Sekunden bis Minuten) eintritt. Eine wichtige Rolle spielen hierbei sogenannte IgE-Antikörper, welche man spezifisch für die vermuteten Auslöser im Blut mit einem sogenannten RAST-Test nachweisen kann. Darüber hinaus sind verschiedene Botenstoffe, vor allem Histamin beteiligt.

Heuschnupfen

Der Heuschnupfen ist eine weitverbreitete Erkrankung, die bei mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung auftritt. Die allergische Rhinitis (Heuschnupfen) tritt saisonal auf. Da meist auch die Bindehäute der Konjunktiven (Schleimhäute der Augen) mitbetroffen sind, wird sie als Rhinokonjunktivitis bezeichnet. Sie wird sehr häufig durch eine allergische Reaktion auf Pollen verursacht. Hier gibt es drei große Gruppen: Bäume, Gräser und Kräuter mit der jeweiligen Saison im Frühling, Sommer und Herbst. Abhängig von der Wettersituation treten teilweise starke Pollenbelastungen der Luft auf. Bei sonnigem und trockenem Wetter ist die Pollenzahl in der Regel hoch, niedrig ist sie in kalten und regnerischen Wetterlagen.
Informationen zur aktuellen Pollensituation finden Sie unter www.daab.de oder www.wetter.de

Hausstaubmilbenallergie

Im Gegensatz zu den Pollenallergien treten die Beschwerden bei Milbenallergie ganzjährig auf. Sie ähneln ansonsten den Symptomen des Heuschnupfens sehr, treten aber zumeist verstärkt während der Nacht oder am frühen Morgen auf. Hauptverursacher einer Hausstauballergie sind die Milben und deren Ausscheidungsprodukte. Die Milben sind mit den Spinnen verwandt und kommen weltweit vor. Sie halten sich bevorzugt im Bereich von Teppichen, Polstermöbeln, Gardinen, Betten und Kuscheltieren auf. Sie ernähren sich von menschlichen und tierischen Hautschuppen sowie anderen organischen Bestandteilen des Staubs. In einem Gramm Staub aus einer Matratze konnten bis zu 15.000 Milben nachgewiesen werden. Das allergologisch relevante Allergen der Hausstaubmilbe sind ihre winzigen Kotballen.

Insektengiftallergie

Insekten zahlreicher Arten können durch ihren Stich örtliche oder systemische Reaktionen verursachen. In Mitteleuropa sind die häufigsten Auslöser klinisch bedeutsamer Reaktionen die Honigbienen sowie bestimmte Wespenarten. Die Häufigkeit systemischer Reaktionen auf solche Stiche beträgt bis 3,5 % in der Allgemeinbevölkerung, diejenige von gesteigerten örtlichen Reaktionen bis 26,4%. Insektenstiche, vor allem durch Wespen, sind im deutschsprachigen Raum bei Erwachsenen die häufigsten gemeldeten Auslöser schwerer Anaphylaxien („Kreislaufschock“).
In Deutschland werden vom Statistischen Bundesamt jährlich etwa 20 Todesfälle durch Kontakt mit Bienen, Wespen oder Hornissen erfasst, wobei fast nur Erwachsene betroffen und etwa zwei Drittel der Verstorbenen Männer sind. Die tatsächliche Häufigkeit tödlicher Stichreaktionen dürfte aber deutlich höher sein, da Anaphylaxie oft nicht erkannt wird.
Systemische Reaktionen (Allgemeinreaktionen) sind durch Symptome gekennzeichnet, die keinen örtlichen Zusammenhang mit der Stichstelle haben. Die systemische Soforttypreaktion (Anaphylaxie) ist die bedeutsamste Form einer Überempfindlichkeit auf Insektenstiche und wird meist durch einen einzelnen Stich verursacht. Die Symptome reichen von ausschließlichen Hautreaktionen über mild bis mäßig ausgeprägte respiratorische, kardiovaskuläre oder gastrointestinale Beschwerden bis hin zu schwerer Atemnot oder anaphylaktischem Schock (oft mit Bewusstlosigkeit) mit Herz-Kreislauf- bzw. Atemstillstand. Todesursachen bei Anaphylaxie sind vor allem Atemwegsobstruktion (Verschluss) oder Herz-Kreislauf-Versagen.

Nesselsucht

Nesselsucht heißt in der Fachsprache Urtikaria. Sie ist ein gutes Beispiel für eine Allergie vom Soforttyp. Innerhalb von Minuten nach dem Kontakt mit einem Allergen bilden sich juckende Quaddeln, so wie nach der Berührung von Brennnesseln. Zu Beginn der Reaktion zeigen sich begrenzte, geschwollene und leicht erhabene Rötungen, die schnell größer werden und jucken. Es können sich auch weißliche Flecken bilden. Die Quaddeln können einzeln auftreten und die Größe von Linsen haben. Meistens stehen sie aber beetartig zusammen. Sie können sich auch über den ganzen Körper ausbreiten und zu großflächigen Gebilden zusammenfließen. Die Dauer der Schwellungen ist unterschiedlich. Die Quaddeln können nach wenigen Minuten abklingen, oder auch wochenlang wiederholt bleiben. Treten Quaddeln länger als sechs Wochen unregelmäßig auf, spricht man auch von chronischer Nesselsucht. 
In über 80% der Fälle sind immunologische Faktoren, wie z.B. Infekte, Ursachen für eine Nesselsucht Aber auch Lebensmittel, wie Nüsse, Gewürze, Fisch oder Schalentiere (Muscheln, Krabben etc.) können zu allergischen Reaktionen sofort nach deren Verzehr führen. Die allergischen Reaktionen bestehen häufig in einer Quaddel- oder Ödembildung. Es kann aber auch zu Luftnot und in besonders schweren Fällen zum anaphylaktischen Schock kommen. Die gleichen Effekte können auch Medikamente, vor allem Penicillin und Aspirin, sowie die in Lebensmitteln enthaltenen Konservierungs- und Farbstoffe, verursachen. Dabei können auch Asthma- und heuschnupfenartige Anfälle auftreten.
Meist klingt die akute Urtikaria ohne medikamentöse Behandlung ab. Als erstes sollte unbedingt versucht werden, den Auslöser zu ermitteln. Dann kann dieser Stoff gemieden werden.

Diagnostik:

Prick-/Scratch-Test:

Zur Ermittlung des Auslösers wird der Prick-oder Scratch-Test durchgeführt. Dabei werden verschiedene Stoffe auf die Haut aufgetragen, von denen bekannt ist, dass sie zu allergischen Reaktionen führen können. Die Stoffe sind meistens in einer Lösung enthalten. Die Haut unter dem Tropfen der Lösung wird angepickst/-geritzt, damit das Allergen in die Haut gelangen kann. Bei einer allergischen Reaktion bildet sich an der betreffenden Stelle innerhalb von wenigen Minuten eine rote Schwellung. Besteht der Verdacht, dass man auf z. B. Käse allergisch reagiert, kann dieser direkt auf die Haut aufgelegt werden. Häufig erweisen sich auch Nahrungsmittelfarb- und Konservierungsstoffe als Auslöser. Deshalb ist es im Alltag oft recht schwierig, die auslösenden Stoffe zu meiden. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Auslöser als Bestandteil von Nahrungsmitteln nicht auf den Verpackungen aufgeführt ist.

Serologische Tests

In unserer Praxis führen wir serologische Allergietestungen (in-vitro Testverfahren) nach einer Blutabnahme durch. Das Gesamt-IgE dient im Zusammenhang mit der Bestimmung des spezifischen IgE (sIgE) als zusätzlicher Parameter zur Beurteilung einer Allergie bzw. Sensibilisierung.

Der Nachweis von sIgE bedeutet, dass eine spezifische Sensibilisierung gegen das entsprechende Allergen vorliegt. Es muss anschließend überprüft werden, ob die gefundene Sensibilisierung von klinischer Relevanz ist. Das sIgE ist damit nur ein Parameter in der klassischen allergologischen Stufendiagnostik: Anamnese - Hauttestung - Laboruntersuchung - Provokation.

 

Indikationen zur Bestimmung von Gesamt-IgE im Zusammenhang mit der Bestimmung von sIgE, u.a.:

  • als Hinweis für das Vorliegen einer atopischen Disposition in Verbindung mit dem spezifischen IgE
  • in besonderen Fällen zur ergänzenden Diagnostik von Erkrankungen, die mit Atopie assoziiert sein können: Urtikaria, Quincke-Ödem, Verdacht auf Arzneimittel-Allergien
  • bei Hautveränderungen im Testbereich
  • bei Säuglingen und Kleinkindern
  • bei Kontraindikationen zum Hauttest, z.B. Antihistaminika-Einnahme
  • bei Allergenen, die für die Hauttestung nicht verfügbar sind
  • bei Gefährdung des Patienten, z.B. anaphylaktischer Schock: Verdacht auf hochgradige Sensibilisierung (Insektengiftallergie, Arzneimittelallergie, insbesondere die Penicilline)
  • als zusätzlicher Baustein bei Diskrepanz zwischen Hauttest und Anamnese
  • als zusätzliche Maßnahme zur Vorhersage des Therapieerfolgs einer Allergen-spezifische Immuntherapie

Therapie:

Medikamentöse Therapie: 

Fast alle Quaddeln und Ödeme, die im Rahmen einer allergischen Reaktion entstehen, sind auf die Ausschüttung von Histamin zurückzuführen. Medikamente, die die Freisetzung von Histamin unterdrücken, wirken gegen Heuschnupfen und Nesselsucht. Diese Medikamente werden Antihistaminika genannt. Sie dürfen keinesfalls vor einem solchen Test  eingenommen werden.

    Allergenspezifische Immuntherapie 

    Sind symptomatische Maßnahmen bei der Behandlung von allergischen Soforttypreaktionen (Heuschnupfen, Hausstaubmilbenallergie, Insektengiftallergien) nicht ausreichend, ist es notwendig, eine allergenspezifische Immuntherapie (sog. Hyposensibilisierung) durchzuführen. Dies geschieht durch Injektionen an den Oberarmaußenseiten. In einer Einleitungsphase wird die Dosis der Allergene langsam gesteigert und nach Erreichen der Erhaltungsdosis in etwas längeren Abständen weiter verabreicht. Seit einigen Jahren gibt es auch gute orale (sublinguale) Immuntherapien für Gräser, Frühblüher und Hausstaubmilbenallergiker, die in Form von Tabletten und Tropfen verabreicht werden.